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Museum Waldstetten
... das etwas andere Heimatmuseum ...

Die Reiterles Kapelle


Die Reiterles Kapelle liegt in 642 m Höhe oberhalb des Waldstetter Teilortes Tannweiler an der Passhöhe zwischen dem Remstal und dem Filstal (Gemeindemarkung Nenningen).
Sie wurde dem Viehpatron St. Leonhard geweiht; über dem Türsturz steht die Jahreszahl 1714. Das Jahr der Erbauung kennen wir nicht, dürfte aber deutlich früher sein.

Der Gründungssage („Der Holzbrockeler“) nach wurde sie vom Tannweiler Bauern Reiterle aus Dankbarkeit für die Errettung aus gespenstischer Bedrohung gestiftet.

Das über die Region hinaus als Reiterles Kapelle bekannte Bauwerk gilt nebst der als Naturdenkmal geschützten danebenstehende Linde als Wahrzeichen Waldstettens und ist Ziel vieler Wanderer und zu früherer Zeit häufig besuchter Wallfahrtsort.

Die ansonsten weiße Fläche der Stirnseite der Kapelle zieren die Initialen MTA für "Mater ter Admirabilis" (Dreimal wunderbare Mutter). Sie wurden 1933 zur Verehrung der Gottesmutter dort angebracht.
Es ist mittlerweile auch eine Stempelstelle des Jakobusweges.

Die St. Leonharduskapelle war über Jahrhunderte im Privatbesitz; sie wird nun von der Gemeinde Waldstetten betreut.
Das Amtsblatt der Gemeinde („Stuifen-Bote“) und der Heimatverein Waldstetten haben sich die Kapelle jeweils als „Logo“ ausgesucht.
Für Fotografen und Maler war und ist es ein beliebtes Motiv.

Hans-Walter Burkhardt


Zum Nachlesen:

Sage zum „Holzbrockeler“
Gaugele, Bernhard: Meiner Heimat Täler und Höhen, Donzdorf 1910
Stütz, Georg: Heimat- und Wanderbuch für die Gmünder Gegend, Schwäbisch Gmünd 1919
Stütz, Georg: Sagen der Heimat, Schwäbisch Gmünd 1950 und 1981

Forschung zum „Holzbrockeler“
Setzen, Florian Henning; Geheimnisvolles Christental, Geschichtliches und Sagenhaftes um Burgruine Granegg und Reiterles Kapelle, Messelstein-Verlag Donzdorf 1994
Schellenberger, Bernardin: Die berühmt-berüchtigte Regierungszeit des Joachim Berchtold von Roth zu Winzingen (1607-1621) in: Hohenstaufen-Helfenstein, Historisches Jahrbuch für den Kreis Göppingen Bd. 4, S. 67-124, Anton Konrad Verlag Weißenhorn 1994




Ilse Dörfler

Rudolf Haseidl
Sagen der Umgebung: Der Holzbrockeler (Auszug)
…
„In der Nacht auf den Begräbnistag bekam es der Tannenbauer Reiterle mit dem Gruseln zu tun. Er war ein wohlhabender Mann, einer der besten Freunde Roths, dem er oftmals Geld geborgt hatte, damit er seiner Verschwendungssucht frönen konnte. Als Reiterle sich spät nachts auf dem Heimweg von Roths „Leiche“ befand, sprengte dieser kurz vor Tannweiler auf einem kopflosen Pferd, umkläfft von einer großen Zahl von Hunden, die ebenfalls ohne Köpfe waren, ganz dicht an ihn heran. Reiterle zog, zu Tode erschrocken, die Mütze: „Guten Abend, Herr Hauptmann!“ Der Geist brüllte darauf mit unnatürlicher Stimme: „Würde ich Dich nicht kennen, zu Zunder und Fetzen zerrisse ich dich!“ Darauf sprengte er davon, umbellt von seinen Hunden, so, als raste das Wuotesheer dahin, dem Heldenberg zu. Als Reiterle von seiner Ohnmacht erwachte, läutete die Wißgoldinger Glocke den ersten Angelus. Da gelobte er, für die Seelenruhe seines Freundes eine Kapelle zu erbauen. Dass er sein Gelübde gehalten hat, bekundet das am Fuß des Schwarzhorns überaus stimmungsvoll gelegene Reiterleskapelle ...“

Auszug aus:
Stütz, Georg: Sagen der Heimat, Schwäbisch Gmünd 1981, S. 37f


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